Das zählt …
für den Veranstaltungstechniker Ole Dahnke

© Fotos Regine Christiansen

© Fotos Regine Christiansen / Ole Dahnke

Seit Anfang Dezember hat der Hamburger Ole Dahnke daran mitgearbeitet, die Olympischen Spiele in Sotschi ins rechte Licht zu rücken. Inzwischen bereitet er gemeinsam mit einer Gruppe von weiteren Beleuchtungstechnikern aus England und Deutschland das Licht für die Paralympics-Eröffnungfeier am 7. März vor. Was ist dem Jungunternehmer wichtig?

1. Internationale Veranstaltungen

Olympia habe bei ihm ganz oben auf der Projekt-Wunschliste gestanden, erzählt Ole Dahnke – neben dem kanadischen Cirque de Soleil, den Wagner-Festspielen in Bayreuth und dem Eurovision Song Contest.

Doch auch wenn die Eröffnungs- und die Schlussveranstaltung technische Meisterleistungen waren – insgesamt gab es bisher für ihn, der in Sotschi als Lichttechniker gebucht ist, nicht sehr viele Herausforderungen. „Ich hatte ein paar mal die Gelegenheit, 50 Meter nach oben in die Aufhängung klettern. Und es ist interessant zu sehen, wie die englischen Lichttechniker, die hier die Leitung haben, das Projekt technisch und organisatorisch angehen. Insgesamt ist bisher alles nach Plan verlaufen – der Stern, der sich bei der Eröffnungsfeier nicht zu einem Olympiaring öffnen wollte, fiel glücklicher Weise nicht in unseren Verantwortungsbereich!“

Olympische Fackel in Sotchi

Ol   Olympische Fackel in Sotchi

Zwischen den Auf- und Umbauten liegt die Hauptaufgabe des Hamburgers im Service für die Lampen: „Die Programmierer schreiben nach ihrer Nachtschicht eine ,Shitlist´ mit kaputten Lampen, die wir dann im Laufe des Tages abseilen, reparieren und wieder hochziehen. Einen 75-Kilo-BadBoy  – ja, die Lampe heißt so! – auf 75 Meter Höhe zu bringen, fordert dabei sogar unsere russischen Helfer heraus.“ Dabei seien die eigentlich eher vom Typus „in meiner Freizeit ringe ich im Wald mit Bären“ …

Ole Dahnke in Sotischi

Ole Dahnke in Sotischi

Am 24. März geht es zurück nach Hamburg. Dann wird Sotschi mit 102 Tagen sein bisher längster Auslandseinsatz gewesen sein. In der Ausbildung und in den knapp zwei Jahren seiner Selbstständigkeit war der 25-Jährige schon in Singapur, Doha, Maskat, Osaka, Dubai, Moskau, Kasan, Lissabon, Venedig und Madrid. Auch innerhalb Deutschlands kommt er viel herum.

Die Bandbreite seiner Aufträge reicht dabei von Uhrenausstellungen über königliche Pferdeshows bis zu Konzert-Festivals, Fernsehshows, Theateraufführungen und Opern: „Bei den wirklich großen Sachen – wie Olympia – habe ich gar keinen Einfluss, da setze ich nur um und lerne hoffentlich noch etwas dazu. Bei kleineren Projekten konnte ich auch schon mal künstlerisch arbeiten. Ich war schon an Aufführungsorten, wo man vorher nur mit viele Glück mal den Plan gesehen hat und dann vor Ort erst mal gucken muss, was man überhaupt aus welcher Richtung leuchten könnte.“

Wenn Ole Dahnke dagegen den Auftrag bekommt, die technische Planung eines Projekts zu übernehmen, muss er die Vorgaben des Lichtdesigners auf einen vorhandenen Raum anwenden:  „Meine Aufgabe ist es dann dafür zu sorgen, dass dort, wo die Lampen hängen sollen, auch Strom und Daten hinkommen. Wenn das nicht geht, muss ich Gegenvorschläge machen. Dabei hilft es sehr, wenn man auch schon selbst künstlerisch gearbeitet hat. Denn auch wenn sich die Lampe bewegen kann – wenn der Winkel nicht stimmt, kommt das Licht trotzdem nicht an der gewünschten Stelle an.“

Als Projektleiter gibt der Jungunternehmer inzwischen auch mal anderen freien Mitarbeitern Anweisungen, die ihn vielleicht noch als Azubi kennengelernt haben. „Das ist manchmal schwierig, aber ich versuche das mit Vernunft zu regeln, schließlich wissen wir alle, dass das Projekt zu einer festgesetzten Zeit fertig sein muss. Und nur darum geht es. Am liebsten agiere ich aber als Strippenzieher im Hintergrund, der Lösungen findet und möglich macht.“

2. Beleuchten

Mit einem sehr guten Abitur kann man vieles machen. Ole Dahnke wollte aber nicht studieren, sondern unbedingt praktisch arbeiten, am liebsten eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker machen:  „Ich finde Licht, gerade wegen der Verbindung aus Kunst und Technik, besonders spannend.“
Dass beide Elternteile als Beleuchtungsmeister am Theater arbeiten hat bei dem Berufswunsch sicher eine wichtige Rolle gespielt. „Die Legende sagt, dass mein drittes Wort nach Mutter und Vater schon ,Arri war“, grinst der 25-Jährige.  Schon als Kind ist er dabei, wenn seine Eltern Lampen hängen, ein Stück einleuchten oder wenn sie eine Vorstellung am Lichtpult abfahren. Manche Aufführungen sieht er auf diese Weise zwanzig Mal und häufiger.

Wer Scheinwerfer aufhängt, muss Schwindelfrei sein

Wer Scheinwerfer aufhängt, muss Schwindelfrei sein

Kurz vor dem Abitur entwirft der Hamburger für die Aula seiner Schule den Plan für ein passendes professionelles Beleuchtungssystem, das dann auch angeschafft wird. Nach dem Abschluss bewirbt er sich um einen der begehrten Ausbildungsplätze beim wichtigsten deutschen Anbieter von Veranstaltungstechnik,  Procon. (Inzwischen gehört das Unternehmen zu PRG, dem weltweit größten Equipment-Verleiher)  „Ich hatte gehört, die schicken ihre Azubis ins Ausland und dann auch noch ganz weit weg. Toll! Das stimmte auch und ich war immer ganz vorn mit dabei, wenn sich eine Möglichkeit ergab.“

Drei Jahre später schließt Ole Dahnke seine Ausbildung mit Auszeichnung ab und macht er sich selbstständig. „Man erfährt schon beim Auswahlgespräch zur Ausbildung, dass kaum ein Azubi übernommen wird. Ich hatte am Anfang großen Respekt vor der Selbstständigkeit und habe alle Jobs angenommen, die ich bekommen konnte.“ Ein halbes Jahr lang gönnt sich der Jungunternehmer kaum einen freien Tag. Dann gewöhnt er sich daran, dass die Aufträge zwar kurzfristig kommen, aber sie kommen. Inzwischen genießt er den Luxus, sein eigener Chef zu sein: „Ein Vorteil ist, dass ich nicht überall hin MUSS, sondern unattraktive Jobs auch mal absagen kann.“
PRG ist sein wichtigster Auftraggeber geblieben, gerade wenn es um Projekte im Ausland geht. In Deutschland wird er dagegen auch gern von der Oper oder von Theatern gebucht.

3. Theater

Noch genießt es der 25-Jährige, spektakuläre Events in Städten rund um den Erdball zu beleuchten: „Moskau hat mich sehr beeindruckt, dort haben wir den Roten Platz in buntes Licht getaucht. Und ich erinnere mich gern an das Weihnachtsessen, zu dem wir von einem Scheich eingeladen wurden – nachdem wir am Vormittag im Meer schnorcheln waren“.

Doch langfristig ist sein Ziel, kreativ am Theater zu arbeiten. „Dort geht es nicht allein darum, dass die Veranstaltung gut aussieht und das Budget eingehalten wurde. Man hat auch mal die Freiheit, etwas Neues auszuprobieren, das nicht jedem gleich gefallen muss.“

Kabel aufrollen, Scheinwerfer reparieren – Tagesgeschäft für einen Veranstaltungstechniker

Kabel aufrollen, Scheinwerfer reparieren – Tagesgeschäft für einen Veranstaltungstechniker

Ein Stück, dass ihn zuletzt künstlerisch überzeugt hat, war die Faust-Inszenierung von Jan Bosse im Deutschen Schauspielhaus: „Ich fand es auch vom Licht her sehr gelungen. Das Publikum saß um den Spielort herum, so dass der Zuschauerraum Bestandteil der Kulisse war. Räume wie Friedhof, Kirche und Natur entstanden allein durch das Licht. Technisch wurde dabei zwar fast alles eingesetzt, was möglich war. Aber nicht, um damit zu beeindrucken, sondern es ging allein um das Stück.“

Wenn Ole Dahnke im März nach Hamburg zurückkehrt, wird ein Theaterbesuch auf jeden Fall ganz oben auf der Wunschliste stehen. Aber vorher laufen in Sotschi noch die Paralympics, anschließend müssen Scheinwerfer, Kabel und sonstige Technik in viele Kisten verpackt und alle Teile akribisch für den Zoll aufgelistet werden.
Und was kommt danach – ein langer Urlaub oder ein neuer Auftrag? Schließlich steigt im Mai in Kopenhagen der Eurovision Song Contest … „Mal sehen, was sich ergibt“, meint der junge Veranstaltungstechniker und schnappt sich schnell einen Scheinwerfer und eine Rolle Kabel.

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