Das zählt…
für den Erfinder Ralf Kräher-Grube

 

© Fotos Regine Christiansen

© Fotos Regine Christiansen

„Wir könnten die Seiten mit einer ausgefallenen, hochwertigen Heftklammer zusammenhalten“, schlägt Regine Christiansen vor, als wir die Aussendung unseres Website-Angebots vorbereiten. Kurz darauf hat die Fotografin bereits einen passenden Anbieter gefunden ­– nicht im Ausland, sondern gleich um die Ecke, in Hamburg-Sternschanze. Bei einem Besuch erfahren wir von Ralf Kräher-Grube, was Heftklammern mit Werner-Comics und Zahnärzte mit Kronkorken zu tun haben – und was ihm besonders wichtig ist.

1. Zähne

Die Idee, Heftklammern zu entwerfen und fertigen zu lassen, sei ihm wohl im Badezimmer eingefallen, meint der Unternehmer. „Ich fand die Dinger schon langweilig, als ich früher im Speditionsbüro meiner Mutter ausgeholfen hatte. Und nun kam mir dieser Einfall für eine peppige Klammer in der Form eines Zahns.“

Es gibt zurzeit rund 250 verschiedene Motive für die Heftklammern

Es gibt zurzeit rund 250 verschiedene Motive für die Heftklammern

Auf das Thema Zähne kommt der gebürtige San Salvadorianer nicht zufällig, denn er leitet beruflich – gemeinsam mit einem weiteren Inhaber – mit großer Begeisterung ein eigenes Dentallabor. Als er nach der Lübecker Schulzeit 1974 nach Hamburg ging, um Zahntechniker zu werden, war das noch nicht abzusehen. „Freunde rieten mir zu dieser Ausbildung, nachdem ich das Abitur geschmissen hatte und nicht wusste, was ich werden sollte. Man fand dann, dass ich eine Begabung dafür habe. Und es ist wirklich ein Superberuf: ein Handwerk, bei dem man mit so vielen verschiedenen Materialien umgeht, von Gold bis Porzellan!“

Ein Weinglas als Heftklammer

Ein Weinglas als Heftklammer

Rund 13 Jahre ist es her, als der Unternehmer beginnt, die Idee mit den Heftklammern zu verfolgen. Er überlegt, wo die Halterung sitzen muss, damit später die Form auf der Vorderseite des Papiers klar zur Geltung kommt. Dann zeichnet er Zahn und Halter mit einer durchgehenden Linie und formt schließlich nach diesem Entwurf erste Muster aus Draht – Klammern in Form zu bringen, ist für einen Zahntechniker ein Heimspiel. „Als wir Unterlagen mit den Zahn-Heftklammern versehen an unsere Kunden versandt haben, hat das enormen Anklang gefunden. Und ich dachte, so etwas könnte man doch auch gut in anderen Formen machen, als T-Shirt, Weinglas oder Telefonhörer. Wir haben dann noch etwas herumprobiert, welches Drahtmaterial die beste Klammerfähigkeit hat und welche Farbvarianten möglich sind.“

Der umtriebige Unternehmer entschließt sich, die Marktlücke zu erobern. Nur: In Handarbeit könnten größere Aufträge natürlich nicht bewältigt werden. Er muss also eine entsprechende Maschine bauen lassen, die Schweißdraht in wechselnde Formen knicken kann. Anfragen bei einigen Herstellern bringen kein Ergebnis: Der Erfinder will nicht zu viel über seine Idee verraten, um das Patent nicht zu gefährden. Und die Maschine, die er braucht, ist so kompliziert, dass die angesprochenen Hersteller passen müssen.

2. Erfinden

Christopf Wölper von MMK hat die Heftklammermaschine im Blick

Christopf Wölper von MMK hat die Heftklammermaschine im Blick

Ralf Kräher-Grube spricht mit Bekannten von der Kieler Firma Ölfuss über sein Problem. Der Name der Werkstatt ist durch die Werner-Comics bekannt geworden. Tatsächlich ist der Besitzer ein alter Kumpel des Zeichners Rötger Werner Feldmann, alias Brösel. Dem Tüftler war es gelungen, das gezeichnete Fantasie-Motorrad mit den vier hintereinander liegenden Horex-Motoren für ein Rennen tatsächlich zu konstruieren. Die richtige Adresse für echte Herausforderungen also.

Nachdem klar wird, dass die anderen Fachleute vor der Konstruktion der Heftklammer-Maschine kapituliert hatten, erwachte das Interesse der kreativen Schraub-Künstler. Gemeinsam wirdüberlegt und probiert und gebastelt und neu nachgedacht. „Die haben eine unglaubliche Fachkompetenz und sind total abgedreht. Darauf muss man sich einlassen können“, sagt der Dentallabor-Chef und man merkt ihm das Vergnügen an dieser kreativen Zusammenarbeit immer noch an. „Ich war als Kind mehr der Lego-Typ, etwas zu konstruieren macht mir einfach Spaß. Mein Großvater war Uhrmachermeister in der Schweiz, vielleicht hat das ja auch einen Einfluss“, überlegt er.

Christoph Wölper (MMK)  mit der Kronkorkenmaschine

Christoph Wölper (MMK) mit der Kronkorkenmaschine

Seit sechs Jahren gibt es in der Werkstatt der Ölfuss-Nachfolger MMK eine zweite, noch modernere Maschine, die die zurzeit rund 250 bestehenden Entwürfe direkt aus dem Computer umsetzen kann. Außerdem hat Ralf Kräher-Grube noch eine weitere Erfindung gemeinsam mit den Kieler Tüftlern zur Marktreife geführt: eine Maschine zum Verformen von Kronkorken-Rohlingen. Sie erfüllen in den Zahntechnik-Modellen eine spezielle Aufgabe, die so sehr viel preiswerter zu lösen ist als zuvor. Auch sie rattert nun munter in der MMK-Werkstatt vor sich hin.

3. Begeisterung

Neugierig sein, Bedarf erkennen, Ideen entwickeln, passende Partner auftreiben, gut verhandeln und zusammenarbeiten – mit diesen Talenten hat Ralf Kräher-Grube sein Zahnlabor trotz der zunehmenden Billigkonkurrenz aus Osteuropa und China erfolgreich gemacht. Auch als Erfinder profitiert er von ihnen. Vielleicht noch wichtiger ist die nicht nachlassende Begeisterung, mit der er sich seinen Projekten widmet. Auch nach 40 Berufsjahren findet der 60-Jährige Zahntechnik noch immer „total cool“.

Inzwischen wird in seinem Beruf vieles digital bearbeitet – der gelernte Zahntechniker ist begeistert von den Programmen und hat sich damit so vertraut gemacht, dass ihn die Software-Firmen auch schon mal als Referent verpflichten, um anderen Interessenten die Vorzüge der Systeme praxisnah zu erläutern.

Ralf Kräher-Grube im Gespräch

Ralf Kräher-Grube im Gespräch

Was er in Zukunft noch machen möchte? Den Heftklammer-Bereich weiter ausbauen zum Beispiel, mit weiteren Formen und mehr Werbung. Aber das wird wohl bis zur Rente warten müssen. Und auch die Idee mit dem Coffee-Drive-Inns, die man in leer stehenden Tankstellen eröffnen könnte, hat er noch nicht weiterverfolgen können. „Kürzlich habe ich dann gelesen, dass man in Berlin so etwas schon eröffnet hat. Da habe ich mich doch ein bisschen geärgert.“

Aber sicher nicht  lange, denn an Ideen herrscht bei Ralf Kräher-Grube schließlich kein Mangel.

Ein Gedanke zu „Das zählt…
für den Erfinder Ralf Kräher-Grube

  1. Beate

    Hallo Herr Kräher-Grube,
    hatte gerade so eine ähnliche Idee und bei der Recherche bin ich auf Sie gestossen . Es ist immer toll zu sehen das andere auch Ideen in diese Richtung haben leider war ich zu spät dran :-) passiert also nicht nur Ihnen das jemand schneller war. Hab aber noch eine andere Idee die in diese Richtung geht.
    Viele Grüße
    Beate

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