Das zählt …
für die Musik-Bar-Gründerin Claudia Vásquez

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© Fotos Regine Christiansen

Über die Fotografin Regine Christansen lerne ich Claudia Vásquez kennen. Die Sängerin erfüllt sich gerade gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Kristina Kasat einen langjährigen Traum und eröffnete in der Hamburger Innenstadt nah der Alster eine Bar. Was zählt dabei für die Unternehmerin?

1. Musik-Bar

„Mit Anfang 20 war ich in Brasilien in einer Musik-Bar wie dieser. Und wir haben da gesessen, ein Jazzduo spielte, das war einfach toll! Auf der ganzen Welt gibt es Bars, in denen Live-Musik geboten wird. Man kommt herein, trinkt etwas, sieht und hört die Musiker. Aber aus Deutschland kannte ich so etwas nicht“, erinnert sich Claudia Vásquez. Sie steht hinter der Theke der Cascadas-Bar und wirkt gut gelaunt und sehr gelassen. Eigentlich kaum zu glauben, bei dem Programm, dass sie in den vergangenen Monaten absolviert hat.

Fünf Jahre lang hatte sie gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin nach einer passenden Location gesucht. Der Businessplan war schon seit Monaten fertig, aber immer noch kein passendes Objekt in Sicht, erzählt die Unternehmerin. „Wenn man einen Gastronomiebetrieb übernimmt, wird das wahnsinnig teuer. Und dann muss man meistens zusätzlich trotzdem noch vieles umbauen. Besonders schwierig ist die Nachbarschaft, denn es wollen zwar viele Menschen szenig leben, aber von den Lokalen trotzdem nichts hören. Ich dachte schon, ein Musikcafé geht nur unter der Erde und hätte auch ein Kellerloch genommen!“

Eingang zur Cascadas-Bar

Eingang zur Cascadas-Bar

Aber dann erfuhren sie von dem Büroraum an der Ecke Ferdinandstrasse/Brandsende. Mit einer großen Fensterfront und nah am Wasser: genauso hatte sich Claudia Vásques ihre Bar erträumt. Mitten in der Innenstadt – die abends als tot gilt. Doch die Nachbarschaft zu den Büros hat einen großen Vorteil: Es gibt keinen, der sich über die Musik beklagen würde. Und die Musik-Bar kann mit ihrem Angebot konkurrenzlos glänzen. „Weil es allerdings vorher keine Gastronomie in den Räumen gab, mussten wir eine Nutzungsänderung beim Bauamt beantragen. Wofür man alles eine Genehmigung braucht, unglaublich!“

Die Bar ist umgeben von Bürohäusern

Die Bar ist umgeben von Bürohäusern

Da ihre Geschäftspartnerin krankheitsbedingt ausfiel, hat Claudia Vásquez weitgehend allein eine Bar einbauen und Decke und Boden so dämmen lassen, dass die Klänge von der Bühne auch im letzten Winkel noch als Hörgenuss und nicht als Lärm ankommen. „Das war mir extrem wichtig. Die Akustik-Decke sieht zwar nicht danach aus, aber sie sorgt dafür, dass hier trotz der großen Fensterfronten der toller Klang entsteht!“ Als der Boden die Akustikprüfung trotz aller Nachbesserungen nicht besteht, lässt sie ihn wieder herausnehmen und einen neuen verlegen.
Die Musikerin lernt täglich dazu: Über die Zusammenarbeit mit Handwerkern, die Sichtweise der Baubehörde und welche speziellen Vorschriften für gastronomische Betriebe gelten. „In der Personaltoilette muss es zum Beispiel Kalt- und Warmwasser geben, in den Gästetoiletten nicht. Das hätte ich eher anders herum gemacht, aber nun haben eben alle warmes Wasser!“

Die Bar öffnet zurzeit erst um 17 Uhr

Die Bar öffnet zurzeit erst um 17 Uhr

Zuletzt musste noch die Website fertiggestellt und ein Werbeflyer gedruckt und schließlich die Eröffnung gestemmt werden. Alles klappte, Claudia Vásquez konnte sich über ein volles Haus und eine tolle Stimmung freuen. Und über die Gäste, die in den darauffolgenden Tagen hereinschauten. „Am ersten Abend kamen einige gleich nach der Arbeit vorbei und nach einer ziemlichen Pause noch welche vom Hotel gegenüber. Die hatten gesehen, dass ich gerade mit meiner Cheerup-Partnerin auf der Bühne stand und wurden neugierig.“

2. Musik

Als die Hamburgerin Claudia Vásquez vor vielen Jahren die Schule im Stadtteil Wellingsbüttel beendete, wollte sie irgendetwas Künstlerisches werden. „Ich bin dann erst einmal lange gereist und dadurch auf die Musik gekommen.“ Da Gesang damals nur in der klassischen Variante als Studiengang angeboten wurde, sucht sie sich selbst ihre Lehrer für Gesang und Percussion. „Danach habe ich gemeinsam mit einer Freundin die Band Cojack gegründet und nebenher angefangen, Gesangsunterricht gegeben.“

Auftritt mit der Band Dubtari

Auftritt mit der Band Dubtari

Sie lebt in dieser Zeit mit 13 anderen Musikern in einer großen Wohngemeinschaft, im Wohnzimmer wird ständig geprobt. Später zieht sie mit der Pianistin Gesa Zill zusammen, mit der sie heute noch als Duo Cheerup auftritt. Nebenher ist sie auch bei der Gruppe Dubtari dabei. Doch die Konkurrenz ist groß, Reichtümer verdient sie nicht. „Aber für mich war immer klar, solange ich nicht für etwas anderes die gleiche Leidenschaft habe wie für die Musik, mache ich weiter.“ Nebenbei arbeitet die Sängerin als Gesangslehrerin und sie kellnert oder steht hinter dem Tresen. Dass sie einmal selbst Gastronomin werden und eine Bar eröffnen könnte, daran hat sie nie gedacht. „Ich bin da über die Musik hineingerutscht. Aber jetzt hilft es mir natürlich sehr, dass ich in diesem Bereich lange gearbeitet habe.

3. Veranstaltungen

Die Unternehmerin Claudia Vásquez

Die Unternehmerin Claudia Vásquez

Als ich gemeinsam mit Regine Christiansen zu dem Gespräch in die Cascadas-Bar komme, ist es Mittagzeit. Draußen sehen wir an den großen Glasfronten die Passanten vorbeieilen. Immer wieder bleiben Menschen stehen, legen die Hände gegen die Scheibe und versuchen herauszufinden, was drinnen geboten wird. Sie ziehen an der Tür, doch bisher öffnet die Bar erst um 17 Uhr. Ein Drink und etwas Musik nach der Arbeit, dafür gibt am meisten Bedarf, wie die ersten Tage gezeigt haben. Doch offenbar gibt es durchaus auch tagsüber Interesse. „Langfristig möchte ich auch gern früher öffnen, ich habe deshalb die Erlaubnis beantragt, draußen Tische aufzustellen. Aber eins nach dem anderen! Erst einmal konzentriere ich mich darauf, das Programm am Abend zum Laufen zu bringen“, sagt die Unternehmerin.

Live acts bei der Eröffnung

Live acts bei der Eröffnung

Denn neben Cocktails, Drinks und Empanadillas soll täglich mindestens ein Live-act geboten werden, von Jazz über Latin, Soul und Funk bis zu Reggae, Rock ´n Roll und Blues: „In Hamburg gibt es so viele tolle Musiker!“ Viele Freunde und Bekannte aus der Musikszene haben Claudia Vásquez schon Auftritte zugesagt. Bisher funktioniert das noch auf Zuruf, aber in der nächsten Zeit muss das Programm längerfristig strukturiert und festgezurrt werden. Auch richtige Konzerte möchte die Cascadas-Chefin gern ab und zu anbieten, die dann allerdings auch Eintritt kosten werden.

Eine weitere Herzensangelegenheit ist das Kindermusikcafé, dass die umtriebige Unternehmerin Samstags präsentieren will: „Zwischen 15 und 18 Uhr sollen die Kinder im Vordergrund stehen. Da wird es mal Kinderdisco geben, mal eine Lesung mit musikalischer Einlage oder auch eine offene Bühne für Kinder. Dann darf jeder, der möchte, dort oben stehen und singen oder spielen.“ Die erste Kandidatin drängelt schon: die neunjährige Tochter von Claudia Vásquez war bei der Eröffnung dabei und möchte diese Bühnenerfahrung möglichst bald wiederholen.

Blick in die Cascadas-Bar

Blick in die Cascadas-Bar

 

 

 

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