Das zählt…
für die Orthoptistin Elke van Alen

© Fotos Regine Christiansen

© Fotos Regine Christiansen

Was kann dahinter stecken, wenn Kinder Schwierigkeiten beim Lesen oder Schreiben haben? Als wir beim Blankeneser Xing-Mittagstisch auf dieses Thema zu sprechen kommen, ist Elke van Alen in ihrem Element. Sie überprüft als Orthoptistin die Sehfunktion von Kindern. Und erläutert uns nun an geradezu detektivischen Fallbeispielen, wie schwierig es manchmal ist, den Ursachen solcher Lernprobleme auf die Spur zu kommen. Was ist ihr bei der Arbeit wichtig?

1. Beobachten

Am Anfang sitzt das Kind noch gerade am Schreibtisch, dann sackt es zunehmend nach vorn, bis der Kopf schließlich neben dem Papier liegt. Die Schreibhand muss nun den Körper abstützen, die andere hängt herunter. Klar, dass es so ziemlich schwierig wird, etwas zu schreiben. Aber was ist der Grund für diese Haltung – Fehlsichtigkeit oder eine schlechte Verarbeitung des Gesehenen? Das konnte die Orthoptistin Elke van Alen schon ausschließen. Weitere mögliche Ursachen könnten aber auch eine mangelhafte Körperspannung, psychischer Druck oder ein schlechter Sitzplatz sein.

Wir nehmen Informationen zu 80 Prozent über die Augen auf. Deshalb beginnt die Suche nach der Ursache von Lernproblemen oft bei der Orthoptistin

Wahrnehmungen laufen zu 80 Prozent über die Augen. Deshalb beginnt die Suche nach der Ursache von Lernproblemen oft bei der Orthoptistin

„Den entscheidenden Hinweis, was das Thema des Kindes ist, liefert oft die genaue Beobachtung – besonders wenn sie über Fachgrenzen hinweg erfolgt und man sich dann gut austauscht“, hat Elke van Alen gelernt. In einer universitären Weiterbildung zum Thema visuelle Verarbeitung beobachtete sie Kinder mit Sehproblemen, gemeinsam mit Kinderärzten und –neurologen, Frühförderern, Sehbehindertenpädagogen sowie Physio- und Ergotherapeuten. Kameras halfen dabei Schwierigkeiten, die zuvor kein Fachmann erklären konnte, gemeinsam auf die Spur zu kommen. „Für unsere Besprechungen mussten wir allerdings erst einmal eine gemeinsame Sprache finden, weil jede Berufsgruppe ihr eigenes Vokabular hat. Inzwischen funktioniert das in diesem Kreis sehr gut.“

2. Netzwerke

Elke von Alen, Orthoptistin, Blankenese

Im Netzwerk Kindertherapie Hamburg-West treffen sich seit 14 Jahren Interessierte aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen

Mit den Fachkollegen aus der Weiterbildung hält die engagierte Orthoptistin noch immer Kontakt. Sie hatte bereits zuvor dazu beigetragen, dass sich Experten aus dem Gesundheitsbereich im Hamburger Westen zu einem Netzwerk Kindertherapie zusammengeschlossen haben. Den Anstoß dazu gab die Gesundheitsreform 1999, denn dadurch entstand so viel Konkurrenzdruck, dass das sogar teilweise Eltern zu spüren bekamen. Elke van Alen nahm daraufhin Kontakt zu Kolleginnen aus anderen Gesundheitsberufen auf, mit denen sie zusammengearbeitet hatte: „Uns ist dabei bewusst geworden, dass wir alle dasselbe wollen: dem Kind helfen. Und so entstand die Idee, sich mit allen Beteiligten zusammenzusetzen und zu besprechen, wie wir unsere Arbeit einfacher und für die Kinder effektiver machen können.“ 36 Fachkollegen aus verschiedenen medizinischen Berufsgruppen waren an einem Treffen interessiert. Elke von Alen moderierte die Gespräche, in der sich alle zunächst gegenseitig ihre Arbeitsbereiche vorstellten und anschließend besprachen, wie man künftig besser zusammenarbeiten könnte.

st Lita Herzig (l.), Teamleiterin des geplanten interdisziplinären Bachelor-Studiengang Angewandte Gesundheitswissenschaften an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, lässt sich von Elke van Alen die Vorteile der fachübergreifenden Zusammenarbeit im Netzwerk Kindertherapie erläutern

Gast Lita Herzig (l.), Teamleiterin des geplanten interdisziplinären Bachelor-Studiengang Angewandte Gesundheitswissenschaften an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, lässt sich von Elke van Alen die Vorteile der fachübergreifenden Zusammenarbeit im Netzwerk Kindertherapie erläutern

Inzwischen trifft sich das Netzwerk Kindertherapie seit 14 Jahren jeden Monat, als Mitglied wird nur akzeptiert, wer auch mitarbeitet. So werden über Fachgrenzen hinweg Informationen ausgetauscht, Patientenbesprechungen gemacht und gegenseitig Vorträge gehalten. Elke van Alen erzählt: „Wir haben inzwischen soviel gemeinsam gelernt, dass wir unser Wissen über beobachtende Früherkennung auch anderen Interessierten, besonders Eltern, zur Verfügung stellen wollen. Daraus entstand bereits ein Kalender, in dem die Entwicklung der Kinder allgemeinverständlich in Meilen- und Stolpersteinen dargestellt wird, um Eltern mehr Sicherheit in der Beurteilung der Entwicklung ihrer Kinder zu geben.“ Das Netzwerk hat unter anderem eine Ausstellung zum Thema Kindergesundheit in einem Einkaufszentrum organisiert und bietet auch immer wieder interdisziplinäre Tagungen an. Neuestes Projekt: ein Vorstellungsbogen, der die gemeinsame Diagnose von Fällen in den Netzwerk-Sitzungen vereinfachen soll. In einem nächsten Schritt wird dann ein Therapiepass folgen, auf dem die Eltern alle Informationen und Fragestellungen sowie die eigenen Beobachtungen zu dem Problem ihres Kindes sammeln können, um der Ursache – oder den Ursachen – schneller auf die Spur zu kommen.

3. Orthoptik

Auch im dreissigsten Berufsjahr begeistert sich Elke van Alen noch für ihre Aufgabe

Auch im dreissigsten Berufsjahr begeistert sich Elke van Alen für ihre Aufgabe

Elke van Alen ist Orthoptistin aus Leiden-schaft: Sie hatte als junges Mädchen selbst unter Sehstörungen und Kopfschmerzen gelitten, als sie vor dem Wechsel aufs Gymnasium besonders viel lernen musste. Der Augenarzt schickte sie zu seiner Orthoptistin, und die konnte so erfolgreich helfen, dass die junge Patientin tief beeindruckt war. Sie begann, sich für den Beruf zu interessieren, und die behandelnde Orthoptistin, selbst im Vorstand des Berufsverbandes engagiert, nahm sie unter ihre Fittiche. „Ich habe schon während der Schulzeit mehrfach bei ihr hospitiert, sodass ich wusste, was mich erwartet. Für die Ausbildung bin ich dann in die Schweiz gegangen, um noch einmal ein anderes Land zu erleben.“

Mithilfe einer 3D-Brille prüft die Orthoptistin das dreidimensionale Sehen

Ist die Sehfunktion gestört oder die Verarbeitung im Gehirn? Mithilfe einer 3D-Brille prüft die Orthoptistin das dreidimensionale Sehen

Durch die akademische Zusatzausbildung in Dortmund kennt sich Elke van Alen inzwischen nicht nur mit den Sehfunktionen der Augen aus, sondern auch mit der Verarbeitung im Gehirn. Ein Feld, dass sich die Orthoptik weiter erobern möchte. „Kürzlich hatten wir einen Jungen hier, der nur sehr langsam lesen konnte. Die Ergotherapeutin hatte sein Vertrauen gewonnen und erfahren, dass er die Worte von rechts nach links las und anschließend die Buchstabenfolge im Kopf umkehrte, um den Begriff erkennen zu können. Ihr Hinweis hat mich auf die Spur gebracht: das Kind hatte bei der schwierigen Geburt einen Gesichtsfeldausfall erlitten. Das kennen wir eigentlich nur von älteren Patienten nach einem Schlaganfall. Auch wenn es ein Handicap bleiben wird: mithilfe der richtigen Technik kann der Junge nun viel besser Lesen lernen,“ erzählt Elke van Alen. Inzwischen ist sie im dreißigsten Berufsjahr und hat ihre Wahl nie bereut. „Man weiß morgens nie, was einen erwartet, wenn man in die Praxis kommt. Jedes Kind hat ein anderes Temperament, ein anderes Alter, ein anderes Problem und ist anders drauf. So gibt es immer viel Abwechslung und es macht einfach Spaß, mit einem hohen Grad an fachlicher Kompetenz seine Arbeit so spielerisch auszuführen zu können.“

Ein Gedanke zu „Das zählt…
für die Orthoptistin Elke van Alen

  1. hammam

    bonsoir ,
    permettez moi de vous passer mes sincères salutations en tant que confrère ,je vous mets au courant que je suis un orthoptiste jeune âgé de 24 ans débutant recement le travail c’est un métier que je respecte beaucoup et j’aimerais bien avancée dans ce domaine je vous mets au courant que début mon enfance j’ai un cœur chaud pour l’Allemagne et j’aimerais bien que vous m’orienter vers les démarches a suivre pour bien exercer dans votre pays
    amicalement

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