Das zählt für…
den Hamburger Wahlbeobachter Martin Fuchs

© Fotos Regine Christiansen

© Fotos Regine Christiansen

Beim Hamburger Webmontag zum Thema Bloggen beeindruckte mich besonders der Vortrag von Martin Fuchs. Er beschreibt, warum er 2011 den Blog „Hamburger Wahlbeobachter“ gestartet hatte und was daraus inzwischen entstanden ist. Was zählt für den Wahlhamburger?

1. Demokratie

Wenn Martin Fuchs erzählt, spricht er so engagiert, dass ich den Eindruck habe: Der muss die Zeit gut nutzen, weil er noch so viel vorhat. Dabei hat der 33-Jährige auch schon einiges hinter sich. Er wächst in Thüringen auf und studierte Medienwirtschaft an der Technischen Universität Ilmenau. „Mein Wunschfach! Aber ich fand die Auseinandersetzung mit der Realität bald viel spannender und die Möglichkeit, Anliegen der Studenten gegenüber der Hochschule zu vertreten.“
Er wird Vorstand und Sprecher verschiedener Nichtregierungsorganisationen im Wissenschaftsbereich und politischer Jugendorganisationen. Was reizt ihn an der Politik? „Ich bin ein Kind der Wendezeit, seitdem beschäftigt mich das Thema Demokratie.“

2. Kommunikation

Blogger Martin Fuchs

Blogger Martin Fuchs

Wie kann man Einfluss auf Entscheidungen nehmen? Was können Organisationen tun, um ihre Mitglieder und die Zielgruppe besser zu verstehen? Wie lässt sich die Kommunikation zwischen beiden Seiten verbessern?
Solche Fragen lassen Martin Fuchs nicht mehr los. Er sammelt Erfahrungen, vermittelt, knüpft Kontakte. Nach dem Studium und einer Weltreise arbeitet er als politischer Berater in Berlin und Brüssel und unterstützt Firmen wie Lanxess, Vattenfall und Bertelsmann bei ihrer Kommunikation mit der Politik. Er genießt es, bei neuen Ideen und wichtigen Entscheidungen dabei zu sein. „Berlin ist eine unglaublich quirlige und interessante Stadt“, schwärmt Fuchs. Aber seit seine Freundin in Hamburg lebt, muss er pendeln. Schweren Herzens fällt er schließlich eine Entscheidung für die Liebe – „sehr romantisch, oder?“

 

2011 zieht Martin Fuchs nach Hamburg. Er beginnt ein Sabbatical, um sich neu zu orientieren. „Das war die Zeit der vorgezogenen Bürgerschaftswahl in Hamburg, und ich wollte mich in den Zeitungen informieren, welche Partei ich hier wählen könnte. Aber da stand überhaupt nichts drin, was mich interessiert hätte“, erinnert er sich. So beginnt er selbst zu recherchieren. Die Fraktionsvorsitzende der Hamburger FDP, Katja Suding, hat früher PR für einen Alkoholhersteller gemacht? Warum schreibt darüber denn keiner?

So startet Martin Fuchs seinen Blog „Hamburger Wahlbeobachter“. Er bezieht nicht Position für eine Partei. Er testet, wie lange es dauert, bis die Parteien E-mail-Anfragen beantworten, fragt nach, warum sich auf dem Portal hamburg.de nur die fünf etablierten Parteien präsentieren dürfen und es in der Bürgerschaft ein Twitterverbot gibt. Er wirft Bälle auf das Spielfeld, die bald von der Presse aufgenommen und weitergetrieben werden. Bei manchen Themen hakt er noch einmal nach. Die Kandidatenvorstellung verschwindet vom Hamburg-Portal, das Twittern in der Bürgerschaft wird erlaubt.

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Der Hamburger Wahlbeobachter Martin Fuchs

3. Wählen

„Ich wollte den Blog eigentlich nur bis nach der Hamburger Bürgerschaftswahl betreiben. Aber dann bekam ich so viele Anfragen, dass ich weitergemacht habe.“ Besonders stolz ist der Blogger zurzeit auf den Test zur Barrierefreiheit der Parteien-Websites. Den hat er gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Heiko Kunert durchgeführt und freut sich: „Die Parteien haben das Thema jetzt mehr auf dem Schirm“. Überhaupt melden sich beim Hamburger Wahlbeobachter immer mehr Experten zu Wort, bieten auch mal den Auszug zu einer aktuellen Studie zum Vorabdruck an. Martin Fuchs schätzt die Zusammenarbeit. Eigentlich recherchiert er sowieso lieber, als zu schreiben.

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Recherche für den „Hamburger Wahlbeobachter“

Vor der Bundestagswahl ist der Blogger nun bei den Medien besonders gefragt – als Kolumnist, Diskussionsteilnehmer und Experte für die Social-Media-Aktivitäten der Parteien. Selbst die USA haben ihn auf dem (NSA?)-Schirm: Bei der Deutschland-Visite von Präsident Obama erhielt der Neu-Hamburger eine Einladung nach Berlin. Die Zeit war dann doch zu knapp für ein persönliches Wort mit dem Präsidenten. Aber sie reichte für einen intensiven Austausch mit anderen Bloggern aus Deutschland.

Seine Auszeit hat Martin Fuchs inzwischen beendet und die Beratung „Bürger & Freunde“ gegründet. Ihr Angebot: Verwaltungen und Kommunen fit zu machen für den Dialog mit den Bürgern. Sicher, damit lässt sich einiges bewegen. Doch ob das dem politischen Menschen Martin Fuchs auf die Dauer reicht?
Für die Bundestagswahl hat er auf jeden Fall schon mal eine Empfehlung, hinter der er mit voller Überzeugung steht: „Unbedingt wählen gehen!“

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Wahlplakate in Hamburg 2013

 

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