Das zählt …
für die Hotelchefin Martina Franke

Hotel baurspark, Elbchaussee 573, Inhaberin Martina Franke, Hamburg

© Fotos Regine Christiansen

Aufregung beim Mittagstreff der Blankeneser Xing-Gruppe: Wir erfahren, dass das Restaurant unseres Stammtischs im Baurs Park Ende April schließt. Die Besitzerin, so heißt es, wolle sich aus gesundheitlichen und personellen Gründen auf den Hotelbetrieb konzentrieren. Ich frage bei Martina Franke nach und erfahre einiges über Vergangenheit und Zukunft des Restaurants – und vieles darüber, was für die Hotel-Chefin zählt.

1. Individuell sein

Die Fensterbänke an den großen Scheiben sind liebevoll dekoriert, auf der Holzanrichte locken selbst gemachte Kekse unter Glasglocken. Doch die dunklen Tische sind noch nicht besetzt, der Run auf den Mittagstisch beginnt erst in einer Stunde. Seit der Modernisierung 2009 ist das Restaurant Baurs Park noch beliebter geworden. „Viele Stammgäste wollten damals, dass nichts verändert wird. Aber wir hatten vorher schon beim Hotelumbau die Erfahrung gemacht, dass sie sich sehr schnell für das Neue begeistern, wenn es individuell ist und zu uns passt. Und so war es hier auch wieder“, erzählt Martina Franke.

Das Restaurant Baurs Park

Das Restaurant Baurs Park

1968 betrieben ihre Eltern einen Hähnchengrill mit Mittagstisch in der Nähe des Blankeneser Hesseparks, als sie das Hotel mit den Kastanienbäumen auf der Terrasse kauften. Neben zehn Zimmern gehörten dazu auch eine Diskothek und eine Kegelbahn. Sieben Jahre später musste die Diskothek weichen. Martina Franke erinnert sich: „Der Mietvertrag für den Hähnchengrill war ausgelaufen und da sich der Hotelbetrieb sowieso nicht so gut mit den wummernden Bässen vertrug, haben meine Eltern hier vorn einen Selbstbedienungsbereich für den Hähnchengrill eingerichtet und hinten ein Restaurant, mit viel dunklem Holz und einem Kamin.“

In den siebziger Jahren ein sehr modernes Styling. Doch als Martina Franke nach ihrer Hotelfachausbildung im Hamburger Ramada Renaissance 1992 in den Familienbetrieb einstieg, waren die Fenster noch immer mit bunten Butzenscheiben versehen. Die Hotelfachfrau übernahm bald in der Küche die Regie, denn dort war der Bedarf schon damals am größten. Einige Jahre später kam auch ihre Schwester, eine gelernte Buchherstellerin, in das Unternehmen. 2005 übernahmen die beiden gemeinsam die Leitung des Betriebs. „Es ist toll, in einen Familienbetrieb hineinzuwachsen. Aber es ist gar nicht so einfach, sich freizuschwimmen und wirklich das Ruder zu übernehmen. Das ist ein langer Prozess.“

Eingang zum Hotel-Restaurant Baurs Park

Eingang zum Hotel Baurs Park

Die Schwestern waren sich einig, wie es weiter gehen sollte und wussten, dass sie dafür viel Geld investieren mussten. Deshalb entschlossen sie sich, zunächst den lukrativeren Hotelbereich zu vergrößern. Weil der Neubau die Baugrenze der Kegelbahn nicht überschreiten durfte, entstand eine Art Motel, mit außen liegenden Zimmerzugängen. Eine Innenarchitektin verlieh den Räumen mit viel Engagement und Liebe zum Detail einen freundlichen, zeitlos-modernen Stil, der perfekt zu den Gastgeberinnen passte. „Am Altbau hatten wir erst mal nichts verändert, weil viele Stammgäste sich das so wünschten. Aber bald nach der Eröffnung haben sie dann doch die neuen Zimmer ausprobiert und wollten gar nicht mehr zurück in den Altbau.“ Der wurde daraufhin ebenfalls modernisiert. Anschließend sollte das Restaurant in Angriff genommen werden. „Wir hatten die Umbaupläne schon in der Tasche, als im Mai 2009 meine Schwester völlig überraschend starb. Nach einiger Überlegung habe ich mich dann entschieden, von Juli bis November zu schließen und den Umbau umzusetzen.“

2. Ein freier Rücken

Ein Zimmer im alten Trakt wurde mit Jugendstilmöbeln ausgestattet, die aus dem Hotel Louis C. Jacob stammen

Ein Zimmer im alten Trakt wurde mit Jugendstilmöbeln ausgestattet, die aus dem Hotel Louis C. Jacob stammen

Der Tod ihrer Schwester Claudia ist für Martina Franke nicht nur persönlich ein schwerer Schlag. Sie fehlt ihr auch als verlässliche Partnerin im Betrieb. „Meine Schwester hat Hotel und Restaurant nach außen vertreten, ich war für Personal, Küche und Buchungen zuständig. Wir haben uns gegenseitig auf dem Laufenden gehalten, sodass man auch guten Gewissens  mal krank sein oder in den Urlaub fahren konnte.“ Seit fünf Jahren trägt die 46-Jährige nun allein die Verantwortung und benutzt doch noch immer die „Wir“-Form, wenn sie vom Baurs Park redet. „Weil ich so lange mit meiner Schwester zusammengearbeitet habe, steht sie irgendwie weiter an meiner Seite und es ist immer noch unser Betrieb. Aber auf der anderen Seite spreche ich auch für das Team, in dem wir hier arbeiten.“

Früher Kegelbahn, nun Hotel: Der Neubautrakt

Früher Kegelbahn, nun Hotel: Der Neubautrakt

Neun Angestellte hat das Haus, eine Truppe, die gut gelaunt und engagiert ihrer Arbeit nachgeht. Das Sorgenkind bleibt die Küche. Es ist nicht so einfach, eine zuverlässige Leitung zu finden, die das bestehende Konzept mit der Begeisterung weiterverfolgt, die die Gäste gewöhnt sind. Die Rouladen, Brokkoli-Tarte und Bärlauch-Kartoffelsuppe kocht, ohne zu Tütenbrühe und Fertigsauce zu greifen. Die auch etwas mit einer Rinder- oder Schweinehälfte anfangen kann und die Küchenplanung so beherrscht, das am Ende nichts im Mülleimer landet.

Bisher springt die Chefin ein, wenn es klemmt. Doch die muss sich eigentlich auf das Hotel konzentrieren, die richtigen Angebote für Geschäftsreisende, Touristen, Feriengäste und Familien bereithalten. „Unser Konzept ist für mich immer noch schlüssig. Aber wir sind zum Beispiel noch in keinem Portal vertreten, bisher kann man uns nur über unsere Homepage buchen. Dadurch erhalten wir nur Bewertungen, die nicht über Buchungsportale laufen und haben eine zu kleine Verbreitung im Internet. Das zu ändern kostet viel Zeit, wenn das Ergebnis professionell sein soll.“

Und wenn ein Pächter das Restaurant weiterführt? Trotz des treuen Stammpublikums sei es aufgrund der Platzanzahl und der steigenden Energie- und Lohnkosten nicht so einfach, viel Gewinn damit zu erwirtschaften, meint die erfahrene Gastronomin.. „Für uns war das Restaurant immer auch ein bisschen die Zugabe für das Hotel, damit wir dort mehr als nur Frühstück anbieten konnten. Es hat uns Spaß gemacht und wir haben eben auch noch am Hotel verdient. Für einen Pächter sieht die Rechnung aber anders aus.“

3. Gastfreundschaft

Eine Nachricht, die die Stammgäste schockt: das Restaurant wird geschlossen

Eine Nachricht, die die Stammgäste schockt: das Restaurant wird geschlossen

Nach zwanzig Jahren wollten sie Bilanz ziehen, so hatten es die Schwestern vereinbart, als sie damals gemeinsam die Verantwortung übernahmen. Weitermachten oder verkaufen? Gemeinsam ein neues Geschäft aufziehen oder getrennte Wege gehen? Auf jeden Fall wollten sie sich nicht in der Arbeit verlieren. Martina Franke: „Gastronomie ist ein Fulltime-Job, so sind wir aufgewachsen. Aber wir wollten keine Riesengewinne machen, sondern Spaß haben an unserer Arbeit und auch mehr Freiraum.“

Die Zimmer sind mit vielen liebevollen Details ausgestattet

Die Zimmer sind mit vielen liebevollen Details ausgestattet

Der Freiraum fehlt, seit ihre Schwester nicht mehr da ist, um ihr den Rücken frei zu halten. Doch es bleibt das Vergnügen, mit dem sich die 46-Jährige um jeden Gast und jedes Detail in ihrem Haus kümmert. „Wir sind mit einem nahen Verhältnis zu unseren Gästen aufgewachsen, viele kennen mich schon von Kindheit an. Es war immer, als wenn sie einfach bei uns als Familie zu Gast waren. Auch heute noch machen wir alles, worauf wir Lust haben, kochen, was uns schmeckt und dekorieren alles so, wie es uns gefällt. Und jeder ist willkommen, egal aus welchem Land und mit welchem Glauben, ob mit Kindern oder mit Hund oder ohne.“

Hotel baurspark, Elbchaussee 573, Inhaberin Martina Franke, Hamburg

Modern und gemütlich: Die Hotelzimmer mit den schrägen Wänden

Inzwischen kommen neben langjährigen Stammkunden auch Gäste mit ihrer Familie, mit denen Martina Franke früher die Schulbank gedrückt hat. Und sie freut sich, dass sich bei ihr so viele Wege kreuzen und Menschen wieder treffen. Doch die Ärzte drängen, dass sie jetzt kürzer treten und eine Auszeit nehmen soll. Darum will sie sich nun in den kommenden Monaten kümmern.

Und danach? Die Angestellten hoffen, dass es auch im Restaurant irgendwann weitergeht. Die Stammgäste geben ebenfalls nicht auf: Nach ausgiebigen Protesten haben viele ihre Adressen hinterlegt und darum gebeten, gleich benachrichtigt zu werden, wenn das Baurs Park Restaurant wieder öffnet.

Diese Ecke ist eine Einladung an die Gäste, nach dem Frühstück oder dem Spaziergang an der Elbe noch einen Tee zu trinken und zu lesen ...

Diese Ecke ist eine Einladung an die Gäste, nach dem Frühstück oder dem Spaziergang an der Elbe noch einen Tee zu trinken und zu lesen …

 

 

 

 

 

 

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