Das zählt für …
die Marktfrau Petra Scholz

Petra Scholz bietet Tartes an

© Fotos Regine Christiansen

Der Gemüsemann hetzt, eine heiße Tarte in der Hand, über den Blankeneser Wochenmarkt. Und murrt: „Die Petra ist so dickköpfig! Mit einer Mikrowelle würde sie die Dinger viel schneller warm bekommen als mit ihrem Ofen.“ Verzichten mag er auf die „Tarteort“-Spezialitäten aber nicht, dazu sind sie einfach zu lecker. Denn Inhaberin Petra Scholz setzt eben nicht auf Fastfood, sondern nimmt sich viel Zeit für jede ihrer handgemachten Köstlichkeiten. Was zählt für die Unternehmerin?

 1. Hamburg

Die Tipps gibt es gratis dazu

Die Tipps gibt es gratis dazu

„Den Fisch brätst du auf der Haut an, dann gibst du noch ein bisschen Sahne an das Sauerkraut, damit es so richtig schmatzig wird.“ Über den Tresen gebeugt gibt Petra Scholz letzte Tipps fürs Menü oder ruft den Kunden die Tagesempfehlung zu. Ihre bayrische Herkunft ist dabei nicht zu überhören. Eine Hotelfachausbildung habe sie dort gemacht, erzählt sie später, im Hilton und im Palace gearbeitet und ein Management-Trainee im Mövenpick absolviert. Und sich 1999 von einem Tag auf den anderen entschieden, alles zu kündigen und nach Hamburg zu gehen – nur mit einem Rucksack auf dem Rücken. „Meine Mutter kommt aus Hamburg und irgendwie hat es mich hierher gezogen“, erklärt Petra Scholz den radikalen Schritt. Sie sucht sich einen Job in einer Bäckereikette –„grauenvoll!“– und beginnt anschließend, bei einem Metzger auf dem Goldbekmarkt zu arbeiten. „Das war natürlich schrecklich, weil ich Vegetarierin bin. Aber es war auch eine tolle Zeit, weil ich soviel Spaß auf dem Markt hatte!“

2. Wochenmarkt

Der Tarteort-Hänger

Beim „Tarteort“ gibt es auch Suppen, Aufläufe und Nachspeisen – alles vegetarisch

Aus ihrer Heimat kannte die Bayerin solche Wochenmärkte wie in Hamburg nicht. „Ich fand die Atmosphäre spannend und die enge Kundenbindung. Man reicht nicht einfach nur die Sachen herüber, man guckt sich in die Augen, man quatscht mit einander, auch mal über Privates.“ Über eine Freundin lernt die Neu-Hamburgerin die Pasta-Frauen kennen und arbeitet lange Zeit auf ihren Marktständen. Irgendwann beginnt sie über ein eigenes Geschäft nachzudenken. Aber mit welchem Angebot? Von einem Kurztrip nach Irland bringt sie ihre Idee mit.

3. Tartes

Liebevolle Dekoration

Aus der süßen Ecke grüßt die Queen

„In Galway, einem süßen Ort an der Küste, stand auf dem Marktplatz ein kleiner Hänger, in dem alles aus Holz war. Und darin hat eine Frau Tartes gebacken und verkauft.“ Petra Scholz probiert einen der heißen Kuchen  – und hat ihre Berufung gefunden.

Mit ihrem „Tarteort“ bietet sie nun neben salzigen und süßen Kuchen auch eine ständig wachsende Zahl an Suppen, Salaten, Aufläufen, Strudeln und Desserts an. Alles ist handgemacht und schmeckt auch so. Eine der Kundinnen, die vor dem Wagen warten, bekennt: „Wenn Gäste mein Buffet loben, dann lächle ich nur und bedanke mich. Sollen sie ruhig denken, ich hätte alles selbst gemacht.“

Die Ziegenfrischkäsetarte ist der Renner

Die Ziegenkäsetarte mit Honig und Rosmarin ist besonders beliebt

Petra Scholz verfolgt aufmerksam, was sich ihre Kunden wünschen und was im Trend liegt: „Ich gehe auch selbst viel Essen und gucke, wie man etwas neu kombinieren kann.“ Montag und Donnerstag steht sie in der Küche, an den anderen Wochentagen und am Samstag außerdem noch mit dem „Tarteort“-Hänger auf dem Goldbekmarkt, in Blankenese oder manchmal auch in Flottbek. Dazu kommt eine ständig wachsende Zahl von Cateringaufträgen. „Gestern bin ich um acht Uhr aus dem Haus gegangen und abends erst um 11 Uhr zurückgekommen. Ich arbeite halt allein und mache alles frisch.“ So ist die 43-Jährige an sechs Tagen in der Woche zehn und mehr Stunden für ihr Geschäft im Einsatz. Den Traum, eines Tages ein eigenes Café zu eröffnen, hat sie inzwischen aufgegeben „weil ich auf dem Markt viel mehr Freiheit habe, als bei einem gemieteten Geschäft. So kann ich es mir erlauben, auch mal richtig lange Urlaub zu machen. Danach komme ich frischen Ideen zurück.“ Ihr nächstes Ziel: Der Jakobsweg. Auch wenn es den Kunden nicht schmecken wird, in dieser Zeit auf das „Tarteort“-Angebot zu verzichten: Die neuen Kreationen, die Petra Scholz von ihrer Auszeit mitbringen wird, werden sie sicher entschädigen.

Petra Scholz liebt das Gespräch mit den Kunden

Petra Scholz in ihrem „Tarteort“-Hänger

Ein Gedanke zu „Das zählt für …
die Marktfrau Petra Scholz

  1. Pingback: Rote-Bete-Kuchen mit karamellisierten Walnüssen und Trauben | Das Rote Bete Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.