Das zählt für …
Bahnchef Rüdiger Grube

Als Mitglied der Gruppe Alumni Hamburg erhalte ich eine Einladung für einen Event mit einem prominenten Alumni: Dem Bahnvorstand Rüdiger Grube.

Der Veranstaltungsort, der Lichthof in der Staatsbibliothek, ist dicht besetzt. Zierlich, fast unscheinbar wirkt Rüdiger Grube, als er den Saal betritt. Nach einer kurzen Begrüßung geht er schnell und entschieden zum Pult. Ganz so, als wollte er keine Zeit mit einem großen Auftritt verschwenden, sondern lieber gleich zu den wichtigen Sachen kommen, zu dem, was er mitteilen möchte. Schon nach wenigen Worten sind die Zuschauer fasziniert, von der locker vorgetragenen Mischung aus Wirtschaftsvortrag, Management-Tipps und Anekdoten. Etwa der von dem Angebot, Chef der Deutschen Bahn zu werden: „Ich saß nachts um ein Uhr an meiner Post, als ich eine SMS von der Kanzlerin erhielt, mit der Bitte um einen Rückruf am nächsten Morgen. Ich habe zurückgeschrieben: Rufen Sie mich ruhig sofort an, nicht nur Kanzlerinnen sitzen noch am Schreibtisch“.

Rüdiger Grube mit  Mikro

Rüdiger Grube

Rüdiger Grube erzählt, er  habe am Anfang die Größe des Unternehmens und der Aufgabe vollkommen unterschätzt. Sehr zügig und mit unglaublich vielen Zahlen und Beispielen belegt, skizziert er die Situation der Deutschen Bahn und die Herausforderungen der Zukunft.

Besonders eindrucksvoll sind die Passagen, in denen Rüdiger Grube von seiner beruflichen Entwicklung erzählt – offenbar mit dem Wunsch, seine persönlichen Erfahrungen an Studenten und Alumnis weiterzugeben.

1. Disziplin

Rüdiger Grube wuchs als Scheidungskind auf einem Hof in Finkenwerder auf. Die Mutter brauchte jede Hand, um über die Runden zu kommen: „Wenn wir aus der Schule kamen, fragten wir nicht, was wir tun sollten. Wir fingen einfach irgendwo an und wurden nie fertig“, erinnert sich der Manager. Er lernte, durchzuhalten. Dass seine Tante für seinen Berufswunsch Pilot nur lautes Gelächter übrig hatte – „Da braucht man doch ein Abitur, dass kannst Du doch nicht erreichen“–  kränkte ihn sehr und mit ein Grund für seinen Ehrgeiz, mehr zu erreichen.

Bald nachdem Rüdiger Grube auf einer Werft in die Lehre ging, fiel er – durch einen engagiert geschriebenen Beitrag in der Werkszeitung – dem Firmengründer Blohm und seiner Frau auf. Sie erkannten das Potenzial des Finkenwerder Jungen und ermöglichten ihm , das Abitur nachzuholen.

Latein, höhere Mathematik – Grube hatte viel aufzuholen, aber Durchhalten war er ja gewohnt. Nach dem Abitur erhielt er weitere Unterstützung, gegen die Zusagen, in den Semesterferien auf der Werft zu arbeiten. Inzwischen hat er nicht nur die Familie Blohm die Förderung zurückgezahlt, sondern hilft selbst talentierten Nachwuchskräften mit  einer Stiftung.

Während des zweiten Studiums begann er, zur Entspannung um die Alster zu joggen. Auch heute noch läuft der Manager vor dem Frühstück jeden Tag zehn Kilometer. Und jeden Abend erledigt er seine Post, egal wie spät es ist. Für ihn ein Zeichen von Respekt: Wer ihm schreibt, soll noch am gleichen Tag eine Antwort erhalten.

2. Reden, reden, reden

Nachdem Rüdiger Grube sich bei der Deutschen Bahn einen Überblick verschafft, und erste entscheidende Veränderungen vorgenommen hatte, stieg die Unruhe unter den Mitarbeitern. Als der neue Bahnchef den Unmut auf einer Versammlung mit seinen Managern spürte, legte er spontan sein Manuskript aus der Hand und suchte er das Gespräch: „Ich glaube, wir haben hier ein Kommunikationsproblem. Aber es ist nicht Ihre Aufgabe, dass in Ordnung zu bringen, sondern meine.“

Er legte einen Prozess fest, wie die Probleme benannt und Lösungen erarbeitet werden konnten. Das kostete zwar Zeit, sorgte aber dafür, das Stimmung und Motivation im Team in die Höhe schnellten. „Als Manager verbringe ich die meiste Zeit damit, Leuten zuzuhören und mit ihnen zu reden.“ Kommunikativ sein, das gehört für Rüdiger Grube zu den wichtigsten Eigenschaften, die eine gute Führungskraft mitbringen muss. Außerdem sollte sie nach seiner Meinung ehrlich sein, authentisch – und vorbildlich.

3. Vormachen

Rüdiger Grube versucht, nach diesen Richtlinien zu handeln. „Wenn ich im Flur ein Stück Papier auf dem Boden liegen sehe, hebe ich es auf. Nicht, weil ich das muss, sondern weil ich weiß: Wenn ich das tue, dann werde sich auch die anderen Manager und schließlich alle Mitarbeiter für das Gebäude zuständig fühlen.“

Vormachen statt machen lassen: Rüdiger Grube hat auch schon Fahrkarten verkauft und im Zug Kaffee serviert: Das sei seine Art, den Mitarbeitern Wertschätzung für ihre Arbeit zu zeigen und sie anzuspornen, noch besser zu werden: „Denn wir können unser Ziel, die Kunden perfekt zu betreuen, nur mit motivierten Mitarbeitern erreichen.l“

Denn der Bahnchef hat sich mit seiner Mannschaft auf drei Ziele geeinigt:

  • Mit zufriedenen Mitarbeitern und zufriedenen Kunden die Gewinne zu steigern
  • In die Spitzengruppe der Top-Arbeitgeber aufzusteigen
  • Und Vorreiter-Unternehmen bei der Nutzung von umweltfreundlicher Technik zu werden

Ambitionierte Ziele, die er aber für erreichbar hält – bis 2020 reichen seine Planungen. Mindestens solange will der Manager selbst bei der Deutschen Bahn am Steuer bleiben.

Den Alumni-Gästen im Lichthof der Universitätsbibliothek hat der charismatische Konzernlenker an diesem Abend auf jeden Fall ein neues, sympathisches Bild der Deutschen Bahn präsentiert und einen inspirierenden Eindruck seiner Führungsprinzipien.

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