Das zählt für …
den Steinmetz Ulrich Beppler

© Fotos Regine Christiansen

© Fotos Regine Christiansen

Mit dem Thema Grabmal habe ich bisher nur Unangenehmes verbunden: Trauer und Verlust, Gespräche mit verdrucksten Anbietern, bürokratische Auflagen, spießige Steine.  Dass man sich auf einen Grabstein sogar freuen kann, habe ich erst durch ein Gespräch mit  Ulrich Beppler, dem Chef von Carl Schütt und Sohn in Hamburg-Altona verstanden. Der umtriebige Steinmetz war schon bei den Projekten „Garten der Frauen“ in Ohlsdorf und dem „HSV-Friedhof“ engagiert dabei,  auf der Internationalen Gartenschau in Wilhelmsburg ist sein Traditionsunternehmen mit vier Grabmal-Entwürfen vertreten.

1. Der eigene Weg

Eigentlich kam der Abiturient nach Hamburg, um die Kunsthochschule zu besuchen. Doch während die Professoren noch seine Mappe prüften, entschied sich Ulrich Beppler nach einigen Probevorlesungen, lieber erst einmal einen Beruf mit gestalterischem Potenzial zu lernen. Aber welchen? Der Werkstoff Holz war ihm zu nachgiebig. „Bei den Schlossern waren die Werkstätten dunkler, schmieriger, der Umgang mit Metall war rustikaler.  Das gefiel mir besser, ich sah mich schon später heldenhaft Stahlskulpturen zusammenschweißen …“, erinnert sich der Steinmetzmeister, dessen Lockenkopf an Raffaels sixtinische Engel denken lässt.

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Ulrich Beppler in seinem Büro

Doch dann brachte ihn eine Zufallsbekanntschaft zum Stein. Nach einigem Suchen fand er mit Carl Schütt und Sohn den passenden Ausbildungsbetrieb, der viel Wert auf den künstlerisch-gestalterischen Aspekt der Steinmetzarbeit legte.

Nur an den täglichen Umgang mit dem Tod musste sich der junge Mann erst einmal gewöhnen. „Am Anfang fand ich die Stimmung auf dem Friedhof skurril und hatte Befürchtungen, etwas seltsam zu werden“, erinnert sich Ulrich Beppler. Aber schon bald gefiel ihm die sachliche Art, mit der die Handwerker dem Tod begegnen.

Nach dem Meisterbrief und einigen Stationen in anderen Betrieben kehrte er als Inhaber zu Carl Schütt und Sohn zurück.

 

2. Auseinandersetzung

Der erste Grabstein, den Ulrich Beppler machte, war für seine Großmutter, die sich diese Arbeit von ihrem Enkel gewünscht hatte. Doch der musste lange ringen – mit der eigenen Trauer, mit der Befürchtung, seine gestalterischen Vorstellungen könnten Verwandte vor den Kopf stoßen. Am Ende erregte der Stein im Heimatort der Oma tatsächlich einiges Aufsehen. Die Verwandten waren kurz verunsichert – und dann sehr zufrieden mit dem viel diskutierte Grabmal.

 

Vorbereitung zur Gravur eines Grabsteins

Vorbereitung zur Gravur eines Grabsteins

„Der Stein soll so individuell sein, wie die Erinnerung an diesen einen Menschen“, findet Ulrich Beppler. Er sieht das Grabmal in erster Linie als Würdigung des Toten durch die Lebenden: „Ich finde es sogar gut, wenn in dem Stein etwas Skurriles oder Ungewöhnliches eingebaut wird, das Anlass für Gedanken und Gespräche am Grab bietet.“ Der Steinmetz hilft den Hinterbliebenen, sich zu erinnern und daraus eine Idee von dem zu entwickeln, was für sie von dem Toten bleibt: „Die Leute sagen dann: Super, darauf wäre ich gar nicht gekommen! Dabei kommen die Ideen alle von ihnen. Meine Arbeit ist nur zu erkennen, worum es hier wirklich geht und auch zu sagen: ihr müsst gar nichts machen, ihr könnt machen.“

Das neue Firmengebäude spiegelt den Stilwillen von Ulrich Beppler wieder

Das neue Firmengebäude spiegelt den Stilwillen von Ulrich Beppler wieder

Und so empfinden viele Kunden ihr Gespräch in dem modernen Carl-Schütt-Firmensitz in Altona als ein überraschend positives Erlebnis. „Wenn sie hier herausgehen und sich auf den Stein freuen, dann hat sich das Gefühl zu einem Besuch auf dem Friedhof komplett gedreht“, sagt Ulrich Beppler zufrieden.

 3. Heimische Steine

Wenn die Idee für das Grabmal geboren ist, schlägt Ulrich Beppler den Kunden einen dazu passenden Stein vor. Sein Herz hängt dabei besonders an einheimischen Sorten, die in der Region Hamburg nicht zur Standardauswahl zählen.

Grabstein

Ausstellungsstück: Ein Grabstein aus Basalt

Ideen und Impulse dazu erhält er auch aus dem Baubereich von Carl Schütt und Sohn, den Ulrich Beppler stark ausgebaut hat. „Wir wussten eigentlich schon immer, dass heimische Materialien unglaublich charmant sind. Aber erst dadurch, dass wir im Baubereich einen besseren Zugang haben, konnten wir im Grabbereich zum Beispiel auch mal Muschelkalk ausprobieren.“

Der Lieblingsstein des Steinmetzen ist Basalt aus der Eifel. Ein Stein für den zweiten Blick: „Basalt ist nicht populär, aber ein sehr stabiles Material, das auf sympathische Weise vergrünt. Steine, die aus 2000 Kilometer entfernten Ländern hierher gebracht werden müssen, können sehr schön sein, aber einheimische Steine passen hier einfach besonders gut hin.“  Und der Verdacht auf Kinderarbeit, der bei manchen exotischen Steinen nicht auszuschließen ist, entfällt.

Ein Gedanke zu „Das zählt für …
den Steinmetz Ulrich Beppler

  1. Andrea Orth

    Ich habe mir vier blogs angesehen – vier gestandene Persönlichkeiten, die viel vom Lebensinhalt Arbeit, und zwar nicht entfremdeter Arbeit erzählen können. Ganz großen Respekt.
    Weiter so!

    Antworten

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