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Das zählt für …
die Rote-Bete-Bloggerin Ania Groß

 © Fotos Regine Christiansen

© Fotos Regine Christiansen

Die Grafikerin Ania Groß habe ich beim Spazierengehen kennengelernt – und inzwischen schon mehrfach um Hilfe gebeten, wenn bei meinem WordPress-Blog etwas nicht so aussah oder funktionierte, wie ich mir das wünschte. Dabei stellte sich heraus, dass Ania ebenfalls bloggt und zwar ausschließlich über Rote Bete. Warum gerade Rote Bete?, habe ich sie gefragt – und bei dem anschließenden Gespräch einiges darüber erfahren, was der Grafikerin wichtig ist.

1. Dazulernen

Das Grafik-Büro von Ania Groß strahlt in einem üppigen Purpurlila. Ja, die Farbe habe bei ihrer Entscheidung, einen Blog über Rote Bete zu schreiben, möglicherweise auch eine Rolle gespielt, gibt die 46-Jährige auf Nachfrage lachend zu.

Ania Groß baut das Gemüse selbst an

Ania Groß baut die Bete selbst an

Aber eigentlich sei das Thema zunächst zweitrangig gewesen, als sie vor mehr als fünf Jahren ihr erstes Blog startete. Die Grafikerin hatte gerade eine Weiterbildung zur Webdesignerin abgeschlossen und ihre eigene Site auf Basis von WordPress neu gestaltet. „WordPress ist ungeheuer vielseitig, man kann fast jede Idee damit umsetzen“.

Rote Bete, frisch vom Feld

Rote Bete, frisch vom Feld

Nun wollte sie herausfinden, ob ein Blog, der über WordPress.com läuft, andere Funktionen biete als ihre selbst gehostete Website. Die Bloggerin konzentrierte sich dabei bewusst auf ein einziges, klar definiertes Thema. Denn so war es leichter nachzuvollziehen, wie sich das Bloggen auf das Google-Ranking auswirkt.

Rote Bete Knolle

Rote Bete Knolle

Ania Groß: „Wie ich auf das Thema Rote Bete gekommen bin, kann ich gar nicht mehr sagen. Sicher hat eine Rolle gespielt, dass der Hokkaido-Kürbis vor einigen Jahren richtig populär geworden war. Der Grund waren neue Zubereitungsarten, zuvor kannte man Kürbis in Deutschland fast nur süß-sauer-eingelegt. Das war bei Roten Beten ganz ähnlich.“ Die purpurnen Knollen seien mindestens genauso vielseitig wie Kürbis, fand Ania Groß und hätten deshalb beste Chancen, mit interessanteren Rezepten ebenfalls bekannter und beliebter zu werden. Wer künftig nach entsprechenden Anleitungen suche, würde dann auf ihrer Seite landen. „Mit durchschnittlich über 100 Seitenzugriffen pro Tag klappt das ja inzwischen auch ganz gut“, sagt die Bloggerin.

2. Bloggen

Erst kochen, dann bloggen

Erst kochen, dann bloggen

Um ein Blog langfristig durchhalten zu können, muss der Autor sich für das Thema begeistern. Auch deshalb war für die Hobbyköchin klar, dass ihr Testballon ein Food-Blog werden würde, denn, so Ania Groß: „ich bin ja bekanntermaßen etwas verfressen“.

Die Arbeit an einem ihrer Rote-Bete-Beiträge dauert zwei bis vier Stunden: Vorbereiten, Kochen, Fotografieren. Fotos auswählen und bearbeiten, Rezept und Text schreiben, den Beitrag hochladen, gestalten, online stellen. WordPress verschickt dann automatisch einen Newsletter an alle Follower.

Damit die Arbeit für das „Forschungsprojekt“ nicht ausufert, kocht die Bloggerin nie nur für das Foto, sondern immer auch für sich selbst. „Gleich nach dem Fotografieren esse ich erst mal den Teller leer, bevor alles kalt wird. Der Rest kommt später.“

Ania Groß kocht hauptsächlich mit Gemüse

Ania Groß kocht hauptsächlich mit Gemüse

Dass ihre Kreationen zum Anbeißen aussehen, liegt aber nicht nur dran, dass sie mit Appetit gekocht und mit Geschmack angerichtet sind. Ania Groß hat in den vergangenen Jahren auch einiges in ihre Ausstattung investiert: Eine Spiegelreflex-Kamera und eine bessere Beleuchtung verhelfen dem purpurnen Gemüse nun zu einem bessern Auftritt auf dem Teller. „Als Grafikerin habe ich zwar vorher auch schon Bilder bearbeitet und ab und zu fotografiert. Aber seit ich blogge, sehe ich mir gezielt Fotos auf anderen Foodblogs an und lasse mich davon inspirieren“.)

3. Austausch

Die Grafikerin gestaltet auch die Etiketten für das Eingemachte selbst

Die Grafikerin gestaltet auch die Etiketten für das Eingemachte selbst

Der Lohn der Mühe ist, neben den steigenden Nutzerzahlen, die Rückmeldung der Leser und Abonnenten. Sie loben Rezepte und Fotos und revanchieren sich mit eigenen Informationen. Ania Groß: „Wenn etwas gut ankommt, freut mich das natürlich. Die Besucher geben mir auch Hinweise. Zum Beispiel, dass es auch Gelbe, geringelte, und sogar Weiße Bete geben soll, und wo man die kaufen kann. Eigentlich bloggt man für solche Kommentare.“

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Es gibt nicht nur Rote, sondern auch Gelbe und Geringelte Bete

Da es die Gelben Bete zunächst nicht zu kaufen gab, säte die Bloggerin sie im Garten ihrer Familie selbst aus, ebenso wie die geringelten und Roten Beten, die sie für ihre Rezepte braucht. Wenn sie im Spätsommer mit ihrer Ernte nach Hause radelt, passt manchmal nur ein Exemplar in den Fahrradkorb, so groß werden die Gemüseknollen, wenn sie sie nicht vorher erntet.

Aber immer nur Rote Bete, gehen einem da nicht irgendwann die Ideen aus? Nein, meint Ania Groß, wenn ihr mal kein Rezept einfalle, könne sie schließlich auch etwas zu den Inhaltstoffen posten, die Variante einer Zubereitungsart oder die Rezension eines Buchs. Wenn sie heute ein Food-Blog starten würde, ständen vielleicht Wildkräuter und Wildgemüse im Mittelpunkt, aber: „Ich bin ein sehr beständiger Mensch, wenn ich einmal etwas anfange, dann beende ich das nicht so schnell wieder“.

Ania Gross BasilikumDas Rote-Bete-Blog war ein Forschungsprojekt. Und das Ergebnis? „Das Blog hat eine ziemlich gute Position bei Google, wobei das Ranking natürlich sehr vom Suchbegriff abhängt. Viele Leute suchen aktuell nach ‚Rote Bete vegan’. Ich wünschte meine Grafik-Website würde auch so häufig angeklickt“, sagt Ania Groß.

Foodhersteller, die zum Beispiel Gewürze zum Ausprobieren zur Verfügung stellen, haben sich bisher leider noch nicht gemeldet. Bald wird der 100.000ste Besucher sich auf dem Rote-Bete-Blog umsehen. Der 200ste Follower war eine Frau – wie 80 Prozent der Besucher – und ein Grund zum Feiern. Ania Groß: „ Viele meiner Follower haben ein eigenes Blog, auf das ich gern verlinke, wenn es mir gefällt. Das mache ich auch, wenn mich etwas im Internet inspiriert, um meine Leser darauf aufmerksam zu machen. Und wenn mich jemand verlinkt, freue ich mich auch. So wirke ich am Netz mit“.

Vor dem Bloggen wird erst einmal gegessen

Vor dem Bloggen wird erst einmal gegessen