Das zählt für …
die Go-Verlegerin Steffi Hebsacker?

GO Onlineshop, Hebsacker Verlag,  S. Hebsacker & T. Berben GbR, neue Straße 21, 21073 Hamburg, www.heb-sacker-verlag.de

© Fotos Regine Christiansen

Steffi Hebsacker lerne ich in der Xing-Gruppe „Hamburgs Norden“ kennen – sie organisiert den Stammtisch des Netzwerks. Ihr Unternehmen macht mich neugierig: Wie wird man Spiele-Verlegerin? Und warum dreht sich beim Hebsacker-Verlag alles um das Go-Spiel?  Bei einem Treffen erfahre ich mehr. 

1. Die eigene Leistung

Steffi Hebsacker beginnt als Kind mit Judo, wechselt einige Jahre später zu Karate und dann in den Leistungssport. Sie steigt sogar beim japanischen Schwertkampf Kendo ein, aber dann macht irgendwann die Schulter nicht mehr mit. „Ich will Action und suche diese körperliche Auseinandersetzung. Bei den asiatischen Sportarten muss man sich im Griff haben, mit Angst und Verunsicherung umgehen können, das finde ich spannend“, meint die Frau mit der offenen und freundlichen Ausstrahlung. Im Lauf der Zeit interessiert sie sich zunehmend auch für die asiatische Kultur hinter den Sportarten: „Diese Art der Höflichkeit, der Achtsamkeit, das hat mich fasziniert.“ Steffi Hebsacker beginnt das japanische Strategiespiel Go zu erlernen, zunächst allein mit ihrem damaligen Partner, dem Leiter einer Kampfsportschule, später mit Unterstützung eines Go-Vereins. „Anders als bei Gesellschaftsspielen, wo man vieles auf das Glück schieben kann, kommt es bei Go nur auf den eigenen Kopf an, ob man siegt oder verliert.“

Achtsamkeit: Selbst der Griff in die Steine will geübt sein

Achtsamkeit: Selbst der Griff in die Steine will geübt sein

2. Engagement

Nach Schätzungen gibt es in Deutschland zehn- bis zwanzigtausend Menschen, die sich mit Go beschäftigen, 2000 davon sind im Verein organisiert. Steffi Hebsacker sowie ihr Ehemann und Partner im Verlag, Tobias Berben, sind nicht nur bei Turnieren erfolgreich dabei, sie engagieren sich auch ehrenamtlich im Deutschen Go-Bund. Er betreut die Website und die Mitgliederzeitung, sie kümmert sich um Werbematerial und ist Landesverbandsvorsitzende in Hamburg.

Steffi Hebsacker im Lagerraum des Online-Shops

Steffi Hebsacker im Lagerraum des Online-Shops

Dass sich aus dem Einsatz für die Go-Gemeinde der Hebsacker Verlag entwickelt hat, liegt an einer Entscheidung des Ravensburger Verlags. Der stellt nämlich Anfang der 2000der Jahre die Produktion seines Go-Spiels ein. Damit fehlt für die Spiel-Anfänger ein preisgünstiges Einsteigermodell. Steffi Hebsacker, die damals hauptberuflich in einer Druckerei arbeitet, entwickelt deshalb ein Go-Spiel aus Pappe und einem bedruckten Papierbogen – mit viel Handarbeit, kleben und kaschieren. „Die Steine habe ich von der Norddeutschen-Pappscheiben-Fabrik Synatschke stanzen lassen. Die kamen in großen Kisten, mussten abgezählt und teilweise noch ausgebrochen werden“, erinnert sie sich. Als Hülle für das Spielbrett und die je 180 weißen und schwarze Steine bestellte die gelernte Industriekauffrau schöne Schachteln beim Großhändler Römerturm, der darin eigentlich Trauerpapiere ausliefert. Eine Freundin gestaltet schließlich das Deckblatt. „Dieses haptisch sehr schöne Spiel haben wir dann in online angeboten“, erzählt Steffi Hebsacker.

Go Spiel aus dem Hebsacker Verlag

Go Spiel aus dem Hebsacker Verlag

Als bald darauf die extrem auflagenstarke Apotheken Umschau die Internetadresse des Shops in einem Beitrag angibt, kommt die Druckereiangestellte aus dem Basteln und Kleben nicht mehr heraus. „Daraufhin haben wir mit der industriellen Fertigung angefangen: die Steine in England gekauft und ein Pappbrett sowie eine professionell bedruckte Schachtel produzieren lassen. Das war kein Problem, weil ich ja aus der Branche bin.“Steffi Hebsackers Mann hatte zunächst für den Verlag den Neudruck eines Go-Buch-Klassikers organisiert. Nun beginnt er einen Online-Shop einzurichten. Die beiden Partner weiten die Produkt-Palette weiter aus, bieten mehr Zubehör, Bücher und inzwischen auch Seminare an. Das Geschäft läuft so gut, dass Steffi Hebsacker in der Druckerei Nehr Media nur noch in Teilzeit arbeitet und ihr Mann sich hauptberuflich mit dem eigenen Verlag beschäftigt.

3. Go spielen

Die Go Spielerin

Die Go Spielerin

Die 180 milchweißen Scheiben in der dunklen Holzschale sehen wie übergroße Schokolinsen aus. Die kostbaren Go-Steine klirren hell, wenn man einen herausnimmt. „Diese Steine sind aus Muscheln hergestellt und haben auf der Oberseite Streifen. Der erfahrenere Spieler spielt immer mit weiß und soll darauf achten, dass er sie mit der gerillten Seite nach oben auf das Spielbrett legt“, erzählt die 46-Jährige. Die schwarzen Steine sind dagegen aus Schiefer und weisen keine Unterschiede auf, so dass sich der schwächere Spieler ganz auf seine Züge konzentrieren kann. Mit einem entschlossenen Knall wird der Stein auf das Brett gesetzt. In der Regel wird zu zweit gespielt, es ist aber auch möglich, Teams zu bilden.

Das Go Spiel

Das Go Spiel

„Go ist ein Gebietsspiel“, erklärt Steffi Hebsacker.  „Man versucht, die Steine so auf die Kreuzpunkte zu setzen, dass man ein Feld auf dem Brett abteilt. Die leeren Kreuzpunkte darin werden am Ende gezählt, wer mehr Punkte hat, gewinnt.“ Das Spiel sei nicht schwer zu erlernen, betont sie, aber „es ist in der gesamtstrategischen Entwicklung sehr komplex, komplexer als Schach. Wer gewinnen will, muss klar strukturiert sein und das Ergebnis der Züge vorausberechnen können.“ Kein Wunder, dass viele Spieler sich sonst am liebsten mit Mathematik, Informatik oder Physik beschäftigen. Unter den jüngeren Vereinsmitgliedern sind allerdings auch häufiger Mädchen zu finden: Ein erfolgreicher Manga-Comic hatte vor einigen Jahren nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland das Spiel populärer gemacht. Zurzeit, meint Steffi Hebsacker, wachse an den Schulen das Interesse an Go. Kein Wunder: Das Spiel fördert schließlich nicht nur Achtsamkeit, sondern auch Geduld, Konzentration, Gelassenheit und korrektes Verhalten am Brett. „Wenn Go bekannter werden würde, das wäre schon großartig“, träumt Steffi Hebsacker. „Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen – sondern einfach, weil wir Go-Spieler sind!“

Go erfordert die volle Konzentration

Go erfordert die volle Konzentration

Ein Gedanke zu „Das zählt für …
die Go-Verlegerin Steffi Hebsacker?

  1. Pingback: Was zählt für Steffi Hebsacker? | Hebsacker Verlag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.